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Zweitageswanderung 2017-Grosse Scheidegg - 02.09.2017

Oh, das darf doch nicht wahr sein! Was verheissen denn die Wetterprognosen für unser Wanderwochenende?! Regen, Schnee und Kälte! Vor 2 Tagen war doch noch Baden in der Linth angesagt…Also schnell noch die Wanderschuhe imprägnieren, Regenjacke, Regenhose, Pelerine, Schirm, Kappe und Handschuhe einpacken. Selbst unsere Hardcore-Badenixen müssen einsehen, dass dieses Mal der Bikini zuhause bleiben muss.

Doch am Samstagmorgen um 7 h geht die Sonne auf; zumindest auf den Gesichtern der 16 Frauen, welche sich am Bahnhof Uznach treffen. Alle sind gut ausgerüstet, die Rucksäcke wasserdicht umhüllt und überhaupt, von ein bisschen Regen lassen wir Sport-Fit-Frauen uns die Laune nicht verderben.

So fahren wir mit dem Zug via Rapperswil, Pfäffikon SZ, Thalwil und Zug nach Luzern. Im Stechschritt eilend und Slalom laufend hasten wir zwischen den unzähligen Reisenden hindurch und treffen in letzter Sekunde auf Gleis 15 ein, wo wir in die Zentralbahn einsteigen. Nun machen wir es uns gemütlich, können wir doch bis Meiringen sitzen bleiben. Aber warum schüttelt und rüttelt dieser Zug so; muss das so sein? Wir hoffen es jedenfalls und wenden uns einem anderen Thema zu; dem Wetter. Immer wieder blicken 16 Augenpaare aus dem Fenster zum Himmel. Was macht das Wetter und wie weit öffnet Petrus seine Schleusen?

In Meiringen steuern wir direkt das erste Restaurant an und geniessen den traditionellen Kaffee- und Gipfelihalt, spendiert vom Verein. Und dann gilt es ernst: Die Regenkleider werden montiert und die Schirme aufgespannt. Die ganze Gruppe setzt sich in Bewegung und wir marschieren durch den Regen bis zur Talstation der Reichenbachbahn. Diese Nostalgiebahn wurde vor über 100 Jahren erbaut und der 24-plätzige Holzwagen ist originalgetreu nachgebildet worden. Oben angekommen stürzt der Reichenbachfall wild und ungestüm neben uns in die Tiefe und raubt uns beinahe den Atem.

Für uns geht es weiter. Mit ein paar Treppenstufen beginnen wir den sanft ansteigenden Waldweg unter die Füsse zu nehmen. Verschiedene Aussichtspunkte gewähren uns nochmals atemberaubende Blicke auf den Wasserfall und ins Tal hinunter. Langsam wird das Tosen des Wassers leiser und, was ist das? Es wird auch trockener! Hoffnung schöpfend entledigen sich die ersten Frauen ihrer Regenkleidung. Tatsächlich hat sich der Regen in ein sanftes Nieseln gewandelt, welches auch ohne Regenschutz gut verkraftbar ist. Juhui, von jetzt an macht das Wandern doppelt Spass. Beim Restaurant Zwirgi knurren auch schon die ersten Mägen. Da wir nicht schon einkehren wollen und die Natur noch tropfend nass ist, entscheiden wir uns für ein schnelles Stehmittagessen. Hier wird auch Lisbeths neuer Slogan geboren: „Wir entscheiden das Programm vor Ort!“ Das einzig Wahre bei diesen unsicheren Witterungsverhältnissen.

Immer weiter schlängelt sich unser Weg den Berg hinauf, idyllisch durch den farn - und moosbewachsenen Wald, stets dem Rychenbach entlang. Mystisch anmutend wabt der Nebel durch die Landschaft. Wie aus dem Nichts spritzt ein weiterer Wasserfall über einen Felsen; sein Ursprung bleibt im Nebel verborgen. Später öffnet sich das enge Tal bei der Alp Gschwandtenmad. Der Nebel verzieht sich für einen Moment und gibt uns den herrlichen Blick auf das Wetterhornmassiv und den Rosenlauigletscher frei.

Wenig später erreichen wir das geschichtsträchtige Hotel Rosenlaui. 1862 wurde ein einfaches Gasthaus erbaut und 1904 kam der prächtige Jugendstilbau hinzu. Das Hotel wurde schrittweise renoviert, so dass wir Frauen die besondere Atmosphäre dieses Hauses bei unserer Einkehr erspüren können. Eine scharfe Suppe oder frischen Kuchen, ja, das gönnen wir uns.

Aus der gemütlichen Gaststube heraus sehen wir, dass es nun wieder kräftig zu regnen beginnt. „Vor Ort“ entscheidet unsere umsichtige Wanderleiterin, dass es nichts bringt, bei diesen Verhältnissen in die Rosenlaui-Schlucht zu steigen. So bleibt uns noch der Weg zu unserer Unterkunft auf der Schwarzwaldalp. Auch hier ein sympathischer Entscheid „vor Ort“: Wer nicht mehr nass werden will, darf mit gutem Gewissen ins Postauto steigen und zur Schwarzwaldalp fahren. Wer dem Wetter trotzt und noch vorige Energie hat, kann die letzte Etappe wandernd in Angriff nehmen. So teilen wir uns in zwei Gruppen auf und alle sind zufrieden.

Das Chalet Hotel Schwarzwaldalp macht aussen wie auch innen eine gepflegte, gastliche und heimelige Gattung. Schnell sind die Zimmer zugeteilt und wir Frauen richten uns fürs Abendessen. Das schmackhafte Essen, ein Gläschen Wein, die flotte Bedienung und vor allem die nette Tischrunde lassen den Abend zu einem weiteren Höhepunkt unserer Reise werden. Ja und dann wäre da noch die Sache mit der Wanderschuhsohle, die sich vom Schuh löst. Wie fast jedes Jahr schlägt das Sohlenelend wieder gnadenlos zu. Nein, es hat nicht unsere Leiterin erwischt, wie von einer daheimgebliebenen Kollegin vermutet wird. Egal, der Schuh wird unzimperlich mit starkem Klebeband repariert, um am nächsten Tag seinen Dienst wieder tadellos zu erfüllen.

Am Sonntagmorgen schlemmen wir ausgiebig am reichhaltigen Frühstücksbuffet. Punkt 9 h sind wir alle mit gepacktem Rucksack bereit zum Abmarsch. Es ist frisch, sehr frisch sogar. Es riecht nach Schneeluft. Und tatsächlich, die Wolken machen der Sonne Platz und wir sehen, dass die Berge wie mit Puderzucker bestäubt aussehen. Wir wandern wieder bergauf; über Wiesen, die vom gestrigen Regenfall durchnässt sind und besagter Schuhsohle alles abverlangen. Vorbei geht’s an genüsslich kauenden Kühen, welche die letzten Alptage zu geniessen scheinen. Die morgendliche Kälte ist gewichen und der Aufstieg lässt uns ins Schwitzen kommen. Platsch, da fliegen schon die ersten Schneebälle zwischen den Turnerinnen hin und her. In dieser Höhenlage liegen kleine Schneeflecken auf der Wiese verteilt und es ist unmöglich dem ersten Schnee zu widerstehen. Auf einmal zeigen sich vor uns, ebenfalls weiss eingezuckert, Eiger und Mönch. Wunderbar wie schön diese Berggipfel im Sonnenschein leuchten! Schneller als gedacht, liegt unser Ziel, die Grosse Scheidegg, vor uns. Mit der fantastischen Aussicht vor Augen legen wir eine Mittagsrast ein. „Vor Ort“ entscheiden wir uns gemeinsam, ein früheres Postauto als geplant, zu besteigen, um so noch Zeit für die Rosenlaui-Schlucht- Besichtigung zu haben. Also schnell ins Postauto einsteigen, denken wir. Ein sehr gewissenhafter Postautochauffeur denkt jedoch ganz anders. Abrupt wird die hintere Postautotüre verschlossen und wir müssen uns in die Kolonne beim vorderen Einstieg einreihen. Zudem will der Chauffeur von jeder einzelnen Frau die Gruppenbillett-Kontrollmarke sehen. Wo in all den Säcken und Aussentaschen steckt wohl dieses verflixte Billett, welches sonst nie jemand kontrollieren will…Ordentlich wie wir Sport-Fit-Frauen nun mal sind, kommt auch das letzte Billett zum Vorschein und der Chauffeur muss uns Einlass gewähren. Obwohl er uns wohl lieber stehen lassen würde, wenn man seinen Gesichtsausdruck betrachtet…

Vor der Rosenlaui-Schlucht deponieren wir unsere Rucksäcke und steigen in die Schlucht hinein. Der Schluchtweg ist teilweise in den Felsen geschlagen und führt aufwärts, teils über Treppen dem schäumenden Bach entlang. Die Felswände rücken immer näher zusammen und das talwärts stürzende Wasser tost, spritzt und zischt. Das Wasser hat im Laufe der Zeit interessante Gebilde in den Fels geformt. Die Kraft des Wassers wird hier auf eindrückliche Weise spürbar. „Vor Ort“ entscheiden wir, abermals ins Hotel Rosenlaui einzukehren. Im lauschigen Gartenrestaurant geniessen wir nochmals einen Kaffee und Kuchen.

Langsam aber sicher denken wir an die Heimreise. Ein Postautochauffeur der freundlichen Sorte, lässt uns problemlos in sein Gefährt einsteigen, obwohl „Garagenfahrt“ auf seinem Programm stehen würde. So werden wir direkt vor den Bahnhof Meiringen gefahren und besteigen wieder die Zentralbahn. Im Bahnhof Luzern ist die halbe Welt versammelt. Auch viele Heimkehrer vom Unspunnenfest sind vor Ort und da und dort erklingt ein Jodellied zwischen all den Menschen verschiedener Herkunft. Im Voralpenexpress haben wir reichlich Platz und wir richten uns für die direkte Heimfahrt nach Uznach ein.

Viele müde aber glückliche Gesichter strahlen mit dem abendlichen Sonnenschein um die Wette. Am meisten strahlt aber wohl unsere Wanderleiterin Lisbeth Ehrensperger. Die letzte Wanderung unter ihrer Leitung ist einmal mehr von A-Z ein tolles, bestens organisiertes, stets mit Humor geführtes Erlebnis für uns Turnerinnen gewesen.

Liebe Lisbeth, wir danken dir ganz herzlich, dass du viele Jahre diese grosse Aufgabe auf dich genommen hast und uns Sport-Fit-Frauen damit unvergessliche Tage geschenkt hast!

B. Kalbermatten



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